Blog Finanzplatz Stuttgart

Der direkte Draht aufs Parkett - Wertpapierhandel an der Börse Stuttgart

Stuttgart (18.1.2018) - An der Börse gelten für die Preisfeststellung feste Regeln, nach denen bei der Orderausführung alle Handelsteilnehmer gleich behandelt werden.

Wer an Börse denkt, dem kommen schnell Bilder von hektisch agierenden Händlern vor Augen, die sich in einer knappen Sprache unverständliche Codes zurufen. Diese Zeit des Präsenzhandels ist zwar längst passé. Die Regeln des Wertpapierhandels, der in Deutschland auf das Börsengesetz von 1896 zurückgeht, aber sind im Kern die gleichen geblieben – mit dem Unterschied, dass die Börsenhändler ihre Stimmen schonen können, weil der Zuruf heute elektronisch erfolgt.

weiterlesen...

Technologische Innovationen haben die Finanzindustrie vorangebracht. Foto: Baader Bank

14. Juni 2016 - Fortschritte in der Technologie haben sich in den vergangenen Jahren zu einem Haupttreiber für das Geschäft von Banken und Börsen entpuppt. Und auch in Zukunft dürfte es innovative Technik sein, die die Geschäftsmodelle prägen wird.

Vor diesem Hintergrund entwickeln die Finanzplatzinitiative Stuttgart Financial und die Börse Stuttgart Konzepte, um den Stuttgarter Finanzplatz im Bereich Financial Technologies stärker zu etablieren. Im Fokus dieser Bestrebungen stehen in diesem Jahr die Fintech Days, die vom 28. bis 30. November in Stuttgart stattfinden sollen. „Ziel der Veranstaltung ist es, Banken, Versicherungen und weitere Finanzdienstleister mit Fintechs zu vernetzen“, sagt dazu Ulli Spankowski, Leiter von Stuttgart Financial. Immerhin ist Stuttgart ein Platz, an dem es etwa mit den Schwergewichten Landesbank Baden-Württemberg, L-Bank, Versicherungswirtschaft oder Bausparkassen sowie der Börse eine ganze Reihe potentieller Kunden und Partner von Fintechs, also Start-ups mit innovativen, digitalen Geschäftsmodellen im Finanzbereich, gibt. „Daher gilt es, dem Finanzplatz Stuttgart, als einer der größten Auftraggeberstandorte für Fintechs, diesbezüglich ein schärferes Profil zu geben“, so Spankowski.

 

weiterlesen...

8.4.2014 - Thomas Munz, Aufsichtsratschef der Börse Stuttgart, kritisiert im Interview den Wildwuchs unter den Plattformen für den Handel mit Wertpapieren.

Herr Munz, mit der Finanzmarktrichtlinie MiFID sollte 2007 im Sinne des Anlegers mehr Konkurrenz unter den Börsen geschaffen werden. Ist dieses Ziel erreicht worden?

Seitdem sind weniger regulierte außerbörsliche und börsenähnliche Handelsplattformen wie Pilze aus dem Boden geschossen, so dass es in Europa inzwischen rund 150 Handelsplattformen gibt. Die Folge ist, dass die Liquidität auf immer mehr Wertpapiermärkte aufgespalten wird. Das ursprüngliche Ansinnen der Europäischen Union, mit Hilfe der MiFID den Wettbewerb der Handelsplätze zu fördern und so den Handel effizienter zu machen, hat sich damit ins Gegenteil verkehrt.

Wieso sollte hier Konkurrenz nicht das Geschäft beleben?

Der Knackpunkt ist, dass auf verschiedenen Feldern nach unterschiedlichen Regeln gespielt wird. Einige dieser Felder stellen die regulierten, öffentlich-rechtlichen Börsen dar, die im Sinne des Anlegerschutzes klaren Regeln unterliegen. Die Regeln auf den anderen Feldern aber sind weniger streng, so dass sich eine Wettbewerbsverzerrung zwischen den Handelsplattformen ergeben hat.

Was hat dies zur Folge?

Nun, durch die Fragmentierung des Handels und die Gleichstellung regulierter und nicht regulierter Märkte wird das Prinzip der börslichen Marktpreisbildung ausgehöhlt. Wenn etwa auf den schwächer regulierten Feldern wie Dark Pools höhere Umsätze zustande kommen, kann dies die Preisbildung an den regulierten Börsen beeinflussen. Schließlich sollte der Marktpreis immer dort gebildet werden, wo größtmögliche Transparenz sowie Liquidität gewährleistet sind und verlässliche Handelsregeln gelten - also an der regulierten Börse. Da dies häufig nicht mehr der Fall ist, sehe ich die Qualität des börslichen Preises gefährdet.

Gilt dies auch für die Aktien mittelständischer Unternehmen?

Normalerweise agieren die außerbörslichen und börsenähnlichen Plattformen wie Rosinenpicker und konzentrieren sich auf hochliquide Wertpapiere wie etwa die Dax30-Aktien. Wenn aber ein Gerücht am Markt ist, können sich Spekulanten etwa über einen Dark Pool an einen mittelständischen Wert „anschleichen“, ohne dass es zunächst vom Unternehmen bemerkt wird. Außerdem gilt: Je illiquider eine Aktie ist, desto eher kann über andere Plattformen die Qualität des Börsenpreises ausgehöhlt werden.

Welche Rolle spielt hier die regulierte Börse für Aktien des Mittelstands?   

Es ist Aufgabe der regulierten Börsen, auch für die weniger umsatzträchtigen Aktien einen ordnungsgemäßen Handel zu gewährleisten. Die Börse hat hier eine gesetzliche Betriebspflicht, wogegen außerbörsliche und börsenähnliche Plattformen ihren Betrieb jederzeit einfach einstellen können. Wenn der europäische Gesetzgeber die Rosinenpicker gewähren lässt, dürfte manche Regionalbörse in ihrer Existenz gefährdet sein. Wer soll dann die Börsenpreisbildung für kleine und mittlere Aktien übernehmen? Die auf hochliquide Werte spezialisierten Dark Pools werden es sicher nicht tun.

Sehen Sie auch die Börse Stuttgart gefährdet?

Nein, die Börse Stuttgart ist längst kein regionaler Handelsplatz mehr und hat aufgrund ihrer starken Position im Handel mit verbrieften Derivaten, Fonds und Unternehmensanleihen genügend Substanz. Dennoch bekommen wir die Entwicklung in Form von sinkenden Umsätzen zu spüren.

weiterlesen...

Christoph Lammersdorf, Vorstandsvorsitzender der Börse Stuttgart AG

18.2.2014 - Interview mit Christoph Lammersdorf, Vorstandschef der Börse Stuttgart, über das Verhalten von Privatanlegern, das Handelssegment Bond-M und das neue Börsensystem der Nasdaq für Stuttgart.

Herr Lammersdorf, im Januar diesen Jahres hat die Börse Stuttgart den höchsten Monatsumsatz seit dem August 2011 verzeichnen können.  Haben nun die Anleger verstanden, dass sie nicht nur in Bundesanleihen oder Sparbücher investieren dürfen, um ihr Kapital zumindest zu erhalten?
Tatsächlich sind die Privatanleger zum Jahresauftakt aktiver als in den letzten zwei Jahren. Turbulenzen in einigen Schwellenländern haben für fallende Kurse, größere Dynamik und erhöhte Volatilität gesorgt. Das hat Interesse bei denjenigen Anlegern geweckt, die ihre Chancen am Kapitalmarkt aktiv nutzen wollen – etwa mit einem Einstieg bei einer Kurskorrektur oder mit kurzfristigem Trading. Bei der großen Mehrheit der Privatanleger ist allerdings noch keine Trendwende in Sicht. Nach wie vor müssen die Finanzbranche und die Politik gemeinsam daran arbeiten, dass sich eine breitere Anlegerkultur entwickeln kann. Mit jedem Jahr, in dem die Zinsen auf niedrigem Niveau verharren, steigt die Gefahr, dass klassische Anlageinstrumente für die Altersvorsorge nicht ausreichen. Deutschland braucht also mehr Privatanleger, die ihr Geld anders anlegen als bisher.

weiterlesen...

Christoph Boschan, Vorstandsmitglied der Börse Stuttgart, läutet die Börsenglocke (links: Börsenexperte Markus Koch).

Wenn Privatanleger Wertpapiere handeln, sollten sie dies an einem regulierten Markt tun. Nur dort genießen sie das Maß an Regulierung, das ihnen eine verlässliche, transparente Ausführung ihrer Orders garantiert, sagt Christoph Boschan von der Börse.

Weil die Europäische Union mehr Wettbewerb zwischen und gegenüber den Börsen schaffen wollte, hat sie 2007 die Gründung von Wertpapierhandelsplattformen erleichtert. Seitdem ist die Zahl der Handelsplattformen in Europa auf rund 150 angewachsen, wobei es sich bei rund einem Drittel um regulierte Märkte, also Börsen, handelt. Die anderen zwei Drittel sind außerbörsliche Plattformen, für die in gewissen Abstufungen wesentlich laxere Überwachungsmechanismen  gelten als an den regulierten Börsen. Im Zuge dieser Entwicklung werden häufig Aufträge von Privatanlegern an diesen nicht regulierten Märkten ausgeführt, ohne dass dies den Auftraggebern immer bewusst ist. „Privatanleger aber gehören an die Börse“, sagt Christoph Boschan, Vorstandsmitglied der Börse Stuttgart.

Nur dort würden diese den Vorzug einer unabhängigen Handelsüberwachung, einer neutralen Preisermittlung oder einer vollständigen Vor- und Nachhandelstransparenz genießen können. „Weil die börsliche Handelsüberwachung die Orderausführung lückenlos kontrolliert und bei Ungereimtheiten von sich aus tätig wird, ist sie der engste Verbündete des Privatanlegers“, erläutert Boschan. Diese Funktion sowie die zahlreichen anderen Services der Börse brächten  Privatanleger auf Augenhöhe mit institutionellen Handelsteilnehmern. Die Handelsüberwachung, so der Börsenmanager, sei so etwas wie ein Anwalt des Privatanalegers und die Börse werde schließlich zum neutralen Schiedsrichter zwischen den Handelsteilnehmern.

weiterlesen...