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Privatbanken zeigen Flagge in Stuttgart

Die Beratung bei Privatbanken erfolgt auf individuelle Art und Weise. Foto: Deutsche Bank

Schätzungsweise 100 freie Vermögensverwalter sowie rund 30 Kreditinstitute einschließlich der Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit Private Banking-Angeboten sind es, die in der Region Stuttgart um die Gunst der wohlhabenden Kunden buhlen.

Setzt man die Summe des verwalteten Vermögens als Maßstab an, gelten der Platzhirsch BW Bank sowie die Deutsche Bank als Marktführer am Finanzplatz Stuttgart. Wie Alexander Tony Mast, Leiter Wealth Management der Deutschen Bank in Baden-Württemberg, sagt, gibt es am Finanzplatz im Südwesten ein etabliertes Umfeld an Mitbewerbern, von denen die meisten lange Jahre mit den gleichen Standortleitern vor Ort sind und damit eine hohe Kontinuität aufweisen. „Aufgrund der Attraktivität des Finanzplatzes gilt es hier Flagge zu zeigen“, sagt Mast, der den Markt als „sehr solide und unaufgeregt“ charakterisiert. Denn ungeachtet der Frage, ob denn auch alle Marktteilnehmer profitabel arbeiten, könne sich kaum einer leisten, den Standort im Südwesten zu ignorieren. Trotz enger Margen beschreibt es Mast als typisch für den Stuttgarter Markt, dass kein Anbieter über unprofitable Discountangebote versuche Marktanteile zu gewinnen. Auch das ist es, was er als „unaufgeregt“ beschreibt. Als weitere Stuttgarter Besonderheit wirke sich die starke mittelständische Prägung der Kunden auf die Struktur des Geschäfts und die nachgefragten Dienstleistungen aus. So seien die Depots im Südwesten oft internationaler ausgerichtet. Ebenso spielten Währungsthemen eine größere Rolle als anderswo.

 

Aufgrund des harten Wettbewerbs erwarten viele Marktkenner eine Konsolidierung in der Branche. Verschärfend kommen hier die gestiegenen Anforderungen an die Digitalisierung, die zunehmende Regulatorik sowie die anhaltende Niedrigzinsphase dazu, was zu einer grundlegenden Veränderung des Marktes für Private Banking sorgen kann. „Diese Faktoren führen dazu, dass etablierte Geschäftsmodelle unter Druck geraten“, sagt Heilig von der Bethmann Bank, die ihren Hauptsitz in Frankfurt hat. Dazu trage auch die Notwendigkeit einer höheren Spezialisierung bei, die nur größere Institute leisten könnten. „Denn die Vielfalt der Kundenbedürfnisse kann nur ein Betreuungsteam abdecken“, ist Heilig überzeugt. Verschärfend kommt der wachsende Kundenwunsch nach digitalisierten Angeboten hinzu, die nur von den Anbietern gestemmt werden können, die auch in der Lage sind zu investieren. Nicht umsonst steckt die Bethmann-Muttergesellschaft ABN Amro derzeit 200 Millionen Euro in die Digitalisierung ihrer Tochtergesellschaften.

 

Eine wichtige Rolle spielt auch das Durchhaltevermögen, das Anbieter mitbringen, um sich am Finanzplatz zu etablieren. Daher legt Stefan Böhmerle, Stuttgarter Niederlassungsleiter der Berenberg Bank, jedem Wettbewerber, der den Markteintritt im Südwesten wagt, einen langen Atem nahe. „Denn wenn Newcomer kommen“, sagt Böhmerle, dessen Institut seit dreizehn Jahren in Stuttgart präsent ist, „haben sie es zunächst immer schwer.“ Nicht von Ungefähr hatte das Bankhaus J. Safra Sarasin 2017 zum kompletten Rückzug aus ihrem deutschen Private-Banking-Geschäft, und damit auch aus Stuttgart, geblasen.

Neu an den Stuttgarter Markt hat sich dagegen im September 2017 die Schweizer Pictet-Gruppe gewagt. Man spüre in dieser unternehmerisch geprägten Region „eine große Nachfrage nach einer unternehmerisch geführten Bank mit Tradition und internationaler Expertise“, hatte damals Armin Eiche, CEO Pictet Wealth Management Deutschland, gesagt. Immerhin gilt Pictet mit einem weltweit verwalteten oder verwahrten Vermögen von 509 Milliarden Schweizer Franken an betreutem Vermögen als einer der führenden unabhängigen Vermögensverwaltungsbanken in Europa. Sicher kann man sagen, dass sich der Wettbewerb im Bereich Vermögensverwaltung und Private Banking am Platz Stuttgart mit dem Eintritt von Pictet noch weiter verschärft hat.

Unter Private Banking subsummieren Kreditinstitute in der Regel ihre Finanzdienstleistungen, die sie für vermögende Privatkunden anbieten. Ein wesentlicher Bestandteil davon ist die Vermögensverwaltung, die auch von freien Vermögensverwaltern offeriert wird, die auf diesem Feld mit den Banken konkurrieren. Als Hausnummer dafür, ab welchem Vermögen man sich als Kunde sinnvollerweise einer Vermögensverwaltung anvertraut, gilt der Betrag von einer Million Euro. Für das sogenannte Wealth Management werden schon mal fünf Millionen Euro aufgerufen. Die Beträge werden aber von den Banken in der Regel nicht als fixe Grenzen betrachtet. Einem hoffnungsvollen Start-up-Unternehmer beispielsweise kann es durchaus passieren, dass er als Private-Banking-Kunde einsortiert wird.

Neben der eigentlichen Vermögensverwaltung verstehen die Banken unter Private Banking Themen wie die Sortierung der Vermögensverhältnisse, die Vermögensplanung, Privatkundenkreditgeschäft oder Fragen zur Besteuerung, Nachfolgeregelung sowie Stiftungslösungen. Die Beratung in diesen Bereichen geschieht in der Regel unter Hinzuziehung von Spezialisten.

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